Vor zwei Wochen startete mein Praktikum im Paul-Löbe-Haus, auf welches ich mich schon Monate vorher gefreut hatte. Meine Erwartungen sollten nicht enttäuscht werden.
Dieser Einblick in die parlamentarische Wirklichkeit eines Abgeordneten wurde mir vom Haushaltsausschussvorsitzenden, Herrn Otto Fricke, ermöglicht und im wesentlichen von seinen wissenschaftlichen Mitarbeitern begleitet. In seinem Büro durfte ich während der ersten Woche Arbeitsaufträge bearbeiten. In ihrer Gesamtheit stellen diese eine für einen Schüler wie mich wertvolle Veranschaulichung des Spannungsverhältnisses von Abgeordneten gegenüber ihren Fraktionen und eigenem Gewissen sowie von Opposition zu Regierung dar. So beschäftigte mich der Pressespiegel von Otto Fricke, der bei einer Lektüre von Zeitungsmaterial mit einer Zeitspanne von einem Jahr eine intensive Aussagekraft besitzt. Ähnlich interessante Einblicke gewährte das Auseinandersetzen mit Berichtsanforderungen bei der Regierung zu haushaltspolitisch relevanten Themen durch Otto Fricke. Gleichzeitig durfte ich bei einem Rechercheauftrag einen Beitrag für die oppositionelle Arbeit der FDP Fraktion leisten. Mittels Internet habe ich herausgefunden, welche Wahlkreise von Fördermitteln für Kultur profitiert haben, die aus einem entsprechenden 400 Mio € Paket stammen, welches im Haushalt verabschiedet wurde. Besonders in Zeiten von immenser Staatsverschuldung ist die gerechte Verteilung solcher Beträge von großem Interesse.
Die zweite Woche war die letzte Sitzungswoche der 16. Wahlperiode. Nicht nur hier galt für manche Abgeordnete das Abschied nehmen, sondern auch das zwingende Bearbeiten von allen Punkten auf der Tagesordnung. Zugleich hatten alle Fraktionen schon den Wahlkampf auf ihre Fahnen geschrieben. Diese Woche war also ein Einblick in den Alltag des Parlaments und ihrer Akteure. Zugleich war es eine besondere Zeit der Weichenstellung für die Zukunft. Der Haushalt hatte in letzterer Hinsicht eine zentrale Rolle, da das Ende dieser vier Jahre mit der höchsten Staatsverschuldung in der Geschichte der Bundesrepublik einher ging. Ich hätte also keinen treffenderen Zeitpunkt als diese Woche finden können, dem Haushaltsausschuss als Zuschauer beizuwohnen. Neben Wirtschaftsminister zu Guttenberg wurde auch Finanzminister Steinbrück angehört. Auch hier war es spannend zu sehen, wie die Vorarbeit, die ich im Arbeitskreis und Arbeitsgruppe vorher mitbekommen durfte, im Fraktionen übergreifenden Ausschuss in die Tat umgesetzt wurde. Nicht zuletzt erlebte ich auch einen kleinen Teil der vielfältigen Öffentlichkeitsarbeit Otto Frickes durch Gespräche mit Besuchergruppen.
Nebenbei stehen einem Praktikanten vielseitige andere Möglichkeiten zur Verfügung. Ich konnte während einer Sitzung als Zuschauer auf der Besuchertribüne des Plenums Platz nehmen und mich, ebenfalls als Besucher, bei einer ZDF-Fernsehshow anmelden.
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